Der Zettel

Der Zettel

Der Zettel

Ein Zettel, so klein in seiner Form, so mächtig in seinem Inhalt.
Hinterlegt als Wunschzettel.
Ohne Kinderlächeln, ohne Zimtsterngeruch.
Ohne Engelsgesang und Kaminfeuer.

Mit ehrlichem Interesse, Freude zu schenken, war sein Ziel.
Was könnte es Schöneres geben?

Doch der Beschenkte, dessen Herz verschlossen ist,
geht schweigend an diesem kleinen Wunder vorbei.
Tage, ja wochenlang.
Als müsste der Zettel selbst erst herausfinden,
was auf ihm zu stehen hat.

Mit der Zeit – ich weiß nicht mehr, wie lange es dauerte –
wurde der Zettel einsam und mürrisch.
Sein Papier vergilbte,
als wäre es ein letzter Versuch,
Aufmerksamkeit vom zu Beschenkenden zu erhaschen.
Denn hätte er keine Bedeutung,
würde er dann noch an so einer exponierten Stelle liegen?
Jeder kann ihn sehen, der vorbeikommt.

Was nicht passiert.
Denn nicht nur der Zettel wird mit Missachtung bedacht –
auch alles andere.
Menschen inklusive.

Was verschwindet in einem,
wenn man die Möglichkeiten des Lebens nicht mehr wahrnimmt?
Die Hoffnung, würde man denken.
Doch vielleicht fehlt nur der eine Impuls,
über seinen Schatten zu springen.
Auch wenn man nicht weiß,
wo man nach dem Sprung landet.

Und doch wird geklagt, was alles schlecht sei,
wer etwas falsch gemacht habe.
Man könnte glauben, so ein Zettel wäre genau das Richtige.
Weiß man doch, dass man Glücksmomente sammeln soll.

Aber was, wenn das Glück den zu Beschenkenden nicht mehr will?
Wenn es sagt: „Ich habe Angst, dass du mich krank machst.
Denn mich muss man sich erarbeiten.
Man kann mich nicht fordern.
Weder heraus– noch an–.“

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