La Perla

La Perla

Text ohne Namen 

Was, wenn man schreiben möchte, aber nicht kann.
Wenn sich alles leer anfühlt.
Ein Text ohne Namen geht so gerade noch,
ohne Inhalt ist ja kein Schreiben.
Nur ein Starren auf ein leeres Blatt Papier.
Papier ist es nicht mal, nur ein aufgeklappter Mac, der mich erwartet —
wie eine Tür, die offensteht, auch wenn niemand dahinter ruft.
Einladend oder erschreckend – ich weiß es gerade nicht.

Gut ist: Ich kann einfach loslegen.
Fehler machen heißt Autokorrektur, nicht Abbruch.
Oft ist es das Mittel zum Zweck.
Aus Fehlern folgen Texte mit mehr Inhalt.
Den ich im Moment allerdings nicht habe.
Aber meine Finger bleiben im Rhythmus ihres Könnens.
Wobei die rechte Hand ab und an – wie könnte es anders sein am Anfang – zu meinem
Kaffeebecher greift.

In mir klingt noch die Musik von Rosalia, die ich heute Morgen beim Aufwachen
zum ersten Mal gehört habe.
So erfrischend. So anders.
Berauschend.
Nicht wie sonst, wenn ich etwas Neues höre.
Da kommt selten etwas schnell zu mir.
Nicht mein Ding.
Das war aber nicht immer so.
In der hochbeschworenen Jugend war das anders.
Da war ich immer im Trend.
Was aber weniger an mir lag, sondern an der Art, wie man Musik bekam.
Keine Streamingdienste, kein Internet.
Musik war teuer oder zeitintensiv.
Weil Schallplatten kosteten und Musik aufnehmen – das Pendant zum Runterladen – sehr
zeitintensiv war.
Heute hat man ein Album in Sekunden, damals dauerte ein Lied Minuten.
Wenn man Glück hatte, dass es gerade gespielt wurde.
Allen Nostalgikern zum Trotz: Es hat was, per Klick etwas Neues zu hören.

„La Perla“, so ein Lied von ihr, wird vielleicht auch dieser kleine Text.
Vielleicht schreibe ich gleich weiter, vielleicht höre ich das Album zu Ende.
Vielleicht wartet der Mac einfach weiter —
und ich entscheide irgendwann.
Wer außer mir darf darüber entscheiden?

Jetzt, mit etwas Abstand, lese ich diesen Text, und er gefällt mir.
Es hat mir Freude bereitet, ihn zu schreiben, und er tat mir gut –
so wie heute Morgen die Musik.
Und ich überlege, ob ich den Text nicht La Perla nennen soll.

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