Kommissar Krone

Kommissar Krone

Manchmal muss man einfach wieder bei Heft Nr. 1 anfangen.
Nicht aus Nostalgie, sondern weil Geschichten manchmal alt riechen müssen, um neu zu werden. Zwischen Zigarettenrauch und Schreibmaschine liegt immer noch ein kleiner Rest Wahrheit.
So beginnt es also:

Kommissar Krone – Nur der Tod kam pünktlich

„Herein.“
Nichts geschah.
Hatte ich mir das zarte Klopfen nur eingebildet?

Um sicherzugehen, rief ich lauter – etwas, das mir eigentlich fremd war:
„HERREIN!“

Dem Geräusch nach zu urteilen öffnete sich meine Bürotür. Zaghaft. Aber stetig.

„Herrgott noch mal, Fräulein Müller! Wie oft habe ich Ihnen schon gesagt,
dass Sie meinen Filterkaffee um neun bringen sollen – und ohne zu klopfen!“

Ich blickte weiter hinaus in den regenverhangenen Morgen meiner Stadt.
Doch anders als erwartet hörte ich kein Klirren einer Tasse,
kein schuldbewusstes „Entschuldigung“ von Fräulein Müller.

Erst das Klopfen. Jetzt die Stille.
Und plötzlich wusste ich, dass dieser Tag nicht einfach nur beschissen werden würde.
Er würde richtig beschissen.

„Drehen Sie sich verdammt noch mal um!“
Die Stimme kam von dort, wo ich meine Sekretärin mit Kaffee vermutet hatte.

Ich tat’s natürlich nicht. Schaute weiter hinaus in den Regen.
Wer mich umbringen wollte, hätte längst geschossen.
Manche wollten, dass man ihnen dabei in die Augen sah.
Das habe ich nie verstanden.
Im Krieg habe ich zu oft gesehen, wie Leben entweicht.

„Was kann ich für Sie tun?“, fragte ich schließlich.

„Sie für mich? Dass ich nicht lache! Drehen Sie sich um –
ich will Ihnen ins Gesicht sehen, wenn ich Ihnen das Licht auslösche!“

Das sagte mir zweierlei:
Erstens – er wollte mir wirklich in die Augen sehen.
Zweitens – wer sagt denn „Licht auslöschen“?
Ein Profikiller sicher nicht.
Eher ein verschmähter Ehemann.
Einer, der nicht gewohnt war zu töten.
Und der jungen Stimme nach keiner, der im Krieg gewesen war.

Ich hatte zwei Möglichkeiten.
Ich konnte ihn innerhalb einer Sekunde töten – gut, vielleicht zwei,
meine Knochen waren bei dem Wetter steif vor Kälte.
Oder ich konnte reden. Reden, reden, reden.
Das war immer Arbeit.

Ich griff lieber zum Revolver.
Ziel visualisieren, Seitfall nach rechts,
Schuss auf die Stirn des Angreifers –
das war der Plan.

Doch bevor ich mich bewegte,
trat Variante drei der Deeskalation in Kraft:

Ein schrilles Kreischen,
gefolgt vom Klirren einer Kaffeetasse,
die zu Boden ging.

***

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