Zwischen Flimmern, Staub und Erinnerung

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Zwischen Flimmern, Staub und Erinnerung

In den vergangenen zwei Monaten sind 40 Gedichte entstanden, die sich kaum wie klassische Gedichte verhalten wollen. Sie erinnern eher an kleine Speicherorte und Fragmente aus Kindheit, Technik, Geräuschen, Fernsehabenden, Wohnzimmern, Treppenhäusern, Reisen und Momenten, die irgendwo zwischen Erinnerung und Gegenwart hängen geblieben sind.

Viele dieser Texte kreisen um Dinge, die verschwinden: Tonbänder, Dias, Schreibmaschinen, Walkmans, alte Möbel, vergilbte Fotos oder das Geräusch eines Röhrenfernsehers mitten in der Nacht. Aber eigentlich geht es nie nur um die Dinge selbst. Es geht um das, was sie festhalten wollten – und was trotzdem verloren ging.

Zwischen all den Bildern tauchen immer wieder dieselben Fragen auf:

Wie erinnert man sich wirklich?
Was bleibt von einem Menschen?
Und warum tragen Gegenstände manchmal mehr Gefühl in sich als ganze Tage?

Die Texte springen bewusst zwischen Formen. Manche wirken wie Gedichte, andere eher wie Miniaturen oder innere Monologe. Einige sind ruhig und melancholisch, andere ironisch, wütend oder fragmentarisch. Vieles entstand aus einzelnen Bildern heraus: ein Foto auf einem Nachttisch, ein gelbes Fahrrad, ein Tonbandgerät, ein verlassenes Kino, eine Drohne am Himmel oder ein vergessenes Bobbycar im Garten.

Besonders beschäftigt hat mich dabei das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Früher musste Erinnerung aufgehoben werden: in Fotoalben, auf Kassette, in Schubladen oder Kartons. Heute existiert alles gleichzeitig und verschwindet dennoch schneller. Vielleicht schreiben diese Texte deshalb so oft gegen das Vergessen an.

Einige Stücke wie „Das Foto“„Walkman“„Commodore 64“„Schreibmaschinenkurs“ oder „Winnetou“bewegen sich stark in einer westdeutschen Kindheit der 70er- und 80er-Jahre – zwischen Quelle-Katalog, Wohnwagenurlaub und Wohnzimmerfernsehen. Andere Texte wie „Krieg“„News“„Fuck you“ oder „Tillt“ holen die Gegenwart hinein: die Überforderung, das Dauerrauschen, die digitale Erschöpfung.

Und dann gibt es jene Texte, die sich beinahe unbemerkt eingeschlichen haben. Ruhigere Stücke wie „Geigenmusik“„Frühling“„Flusslauf des Schreibens“ oder „Ein Lächeln“. Vielleicht sind genau sie der Gegenpol zu all dem Lärm.

Was mich beim Schreiben überrascht hat: Viele Erinnerungen kommen nicht als Geschichten zurück, sondern als Atmosphären. Als Licht auf Gardinen. Als Geruch. Als Flimmern. Als Geräusch eines Busses im Treppenhaus. Als Satzfetzen um drei Uhr morgens.

Die komplette Sammlung umfasst Texte und Kurzstücke aus den letzten zwei Monaten. Sie zeigen keinen fertigen Zyklus, eher einen fortlaufenden Versuch, Erinnerung, Sprache und Gegenwart miteinander sprechen zu lassen.