Stille
Stille. Dann ein Ton, der gespürt werden will,
der zaghaft sich seinen Weg bahnt,
in meinem Ohr, im Orchester.
Kurzes Innehalten,
meine Gedanken erscheinen, versuchen, der Musik zu entfliehen,
doch sie, die jetzt lauter wird, zieht mich zurück
in ihre Welt, wo jeder Ton den anderen kennt.
Sie bahnt sich allein ihren Weg,
ganz hoch, nicht schrill, eher zart,
eine Zartheit wie Tränen,
die nicht geweint wurden.
Erinnert an eine Zeit, die nicht laut war,
die bunt war,
wo Gedanken noch unschuldig sein konnten,
ja mussten,
wo ich jenen Klang nicht fühlte.
Das Orchester setzt ein,
gibt ihr die Chance, einen Augenblick zu verweilen,
doch in meinem Ohr bleibt sie.
Die meisten würden sie nicht sehen,
ich aber spüre sie.
Ich warte auf ihren nächsten Ton,
vergesse den Tag, bin in ihm,
im Ton, reise mit ihm.
Ich frage mich, wie viel Liebe, wie viel Schweiß
es kostet, die eine, die erste zu sein.
Gegen alle – und dann nur sie.
Sie legt das alles in einen Ton,
und für einen Augenblick
trägt er die Welt.
Es war weniger eine Motivation, eher ein Versuch, etwas in Worte zu fassen, was ich am Vortag erlebt hatte. Nach für mich anstrengender Arbeit – ich habe auf meiner Terrasse Bretter verlegt – lag ich in der wärmenden Aprilsonne auf eben dieser und wollte mich entspannen.
Ich setzte Kopfhörer auf, die die Umgebungsgeräusche unterdrücken, und wählte Musik.
Etwas Neues sollte es sein. Etwas Ruhiges. Geige, dachte ich, passt jetzt. Ich höre nicht oft Klassik – oder vielleicht mittlerweile mehr, als ich zugeben möchte. Die ersten Töne setzten ein.
Und was dann geschah, habe ich versucht, in Worte zu fassen.